Nuklearmedizinische Gelenktherapie
(Radiosynoviorthese = RSO)

Voruntersuchung

1) Nuklearmedizinische Untersuchung:
Zur Planung und Dosisabschätzung vor der Radiosynoviorthese ist in der Regel eine Gelenkszintigraphie erforderlich, die in Form der sog. Mehrphasenszintigraphie der Gelenke durchgeführt wird.
Für die Planung einer Radiosynoviorthese ist diese Diagnostik meist unverzichtbar, da damit die Gelenkentzündungen (Arthritis) hochempfindlich nachgewiesen werden können, oft sogar schon Monate vor Beginn spürbarer Beschwerden und röntgenologisch sichtbarer Veränderungen. Auch das Ausmaß des Entzündungsprozesses ist besser abschätzbar.
Diese Mehrphasenszintigraphie der Gelenke (auch "Entzündungsszintigraphie" genannt) muß ergänzt werden durch zusätzliche, spätere Aufnahmen (Skelettszintigraphie), vor allem bei Gelenkverschleiß (Arthrose), da hiermit am besten zwischen entzündlicher (Arthritis) und knöchern-degenerativer (Arthrose) Komponenten unterschieden werden kann, abgesehen von oft wertvollen zusätzlichen Informationen.
            
Vorgehen:
Sie bekommen eine intravenöse Injektion einer radioaktiv markierten Substanz, die eine nur minimale Strahlenbelastung bedeutet.
Nach einigen Minuten werden dann mit einer sog. Gammakamera Aufnahmen (=Szintigramme) von den erkrankten Gelenken angefertigt (Dauer: ca. 15-30 Minuten). Meist ist der szintigraphische Untersuchungsteil hiermit beendet.
Wird noch die Skelettszintigrapie angeschlossen, haben sie eine Pause von ca. 2-3 Stunden, nach der Aufnahmen ("Spätaufnahmen") meist vom gesamten Skelett- bzw. Gelenksystem angefertig werden (Dauer ca. 30-45 Minuten).
Da kaum ein Patient mit dem anderen vergleichbar ist, wird das Untersuchungsprogramm jeweils den individuellen Bedürfnissen angepaßt.


2) Ultraschalluntersuchung ( Sonographie ):
Häufig wird auch eine Ultraschalluntersuchung der/des betroffenen Gelenke(s) durchgeführt, immer jedoch bei Kniegelenkserkrankungen. Damit lassen sich z.B. Gelenkergüsse und krankhafte Anschwellungen der Gelenkschleimhaut gut feststellen.


3) Ausführliche Besprechung:
Nachdem Sie Ihre Angaben zum Krankheitsverlauf und Ihre Beschwerden vorgetragen haben (Fragebogen) und möglichst auch - soweit Sie darüber verfügen - Röntgenaufnahmen und frühere Krankenberichte zur Einsicht vorliegen, werden wir in einem persönlichen Gespräch mit Ihnen die Befunde erörtern und die nuklearmedizinischen Behandlungsmöglichkeiten besprechen.

Die Radiosynoviorthese ( RSO )

Prinzip
Radiosynoviorthese bedeutet:
Wiederherstellung/Erneuerung (Orthese) der Gelenkschleimhaut (Synovialis) mit Hilfe von radioaktiven Isotopen. Sie ist eine sehr wirksame Methode, die bei schmerzhaften entzündlichen Gelenkerkrankungen schon seit über zwei Jahrzehnten eingesetzt wird. Schwerpunkt der behandelten Krankheiten ist die chron. Polyarthritis (entzündlicher Gelenkrheumatismus). Rheuma ist eine systemisch, also den gesamten Körper betreffende Erkrankung, deren Ursache weitgehend unbekannt ist.

Synovialitis ist die Entzündung der Gelenkschleimhaut (Synovialis). Die Gelenkschleimhaut wuchert und zerstört dabei den Knorpel, dringt in den Knochen ein, kann Bänder und Sehnen zerreißen und in unterschiedlich raschem Fortschreiten zu schweren Gelenkzerstörungen führen. Neben der medikamentösen Behandlung und der operativen Therapie ist die Radiosynoviorthese geeignet, dem zerstörerischen Prozess etwas Einhalt zu gebieten. Sind ein oder wenige Gelenke besonders intensiv betroffen, empfiehlt es sich, die Radiosynoviorthese frühzeitig einzusetzen, möglichst bevor schon Gelenkdestruktionen eingetreten sind.

Ablauf der Behandlung:
In ein erkranktes Gelenk wird mit Hilfe einer einfachen Punktion ein radioaktiver Stoff injiziert (gespritzt).

  • große Gelenke (Kniegelenk):                             Yttrium-90
  • mittlere Gelenke (Schulter-, Ellenbogen-,
    Hand-, Hüft-, Sprunggelenke u.a.):                    Rhenium-186
  • kleine Gelenke (Finger- und Zehengelenke):      Erbium-169

Bei diesen drei Stoffen handelt es sich um sogenannte Betastrahler. Diese Strahler haben eine sehr kurze Reichweite bis ca. 4 Millimeter und in diesem Bereich Ihren höchsten Wirkungsgrad.
Die (physikalische) Halbwertzeit ist kurz:
Yttrium-90: 2,7 Tage,
Rhenium-186: 3,7 Tage
Erbium-169: 9,4 Tage.
Nach der Injektion in das Gelenk kommt es zu einer gleichmäßigen Verteilung in der Gelenkflüssigkeit. Die Stoffe, gebunden an winzige Partikel, werden von den oberflächlichen Zellen der kranken Gelenkschleimhaut aufgenommen, so daß sich die gewünschte Wirkung dieser radioaktiven Substanzen an der Oberfläche der kranken Gelenkschleimhaut abspielt. Im Laufe der nächsten Zeit kommt es zu allmählichen lederartigen Verschorfungen der Schleimhautoberfläche mit Abnahme der Schleimhautschwellung. Dabei werden feinste Kanälchen verschlossen, aus denen Ergußflüssigkeit ins Gelenk drang, und auch die feinsten Nervenendigungen ausgeschaltet, so daß der Schmerz vermindert oder beseitigt und die Gelenkfunktion verbessert wird.
Die Wirkung tritt allmählich ein, manchmal schon nach wenigen Tagen, in manchen Fällen auch erst nach Wochen oder Monaten. Die endgültige Wirkung läßt sich erst nach etwa sechs Monaten beurteilen.

Arthrose am Knie vor und nach der Behandlung

Durchführung der Radiosynoviorthese
Das für Sie benötigte radioaktive Präparat in der individuell bestimmten Dosis wird in Frankreich hergestellt und bislang nur freitags geliefert. Das bedeutet: Die Gelenktherapie (Radiosynoviorthese) kann generell nur an einem Freitag erfolgen. (Wichtig: Da die für Sie bestellte kostspielige Substanz immer frisch verbraucht werden muß, ist es dringend notwendig, daß Sie den vereinbarten Termin unbedingt einhalten oder aber spätestens 10 Tage vorher absagen, andernfalls muß Ihnen die Radioaktivität in Rechnung gestellt werden.)
Die Haut über dem Gelenk wird desinfiziert. Dann wird unter sterilen Bedingungen mit einer dünnen Nadel eine Lokalanästhesie (örtliche Betäubung) und gleichzeitig eine Punktion des Gelenks vorgenommen, meist unter Durchleuchtung, oft mit Kontrastmitteldarstellung des Gelenks. Ist ein Erguß vorhanden, wird er zum größten Teil abpunktiert. Die für Sie vorbereitete Substanz wird in das Gelenk injiziert, die Nadel herausgezogen, die Punktionsstellen noch etwas abgedrückt.
Danach erfolgt noch eine sogenannte Verteilungsszintigraphie, um zu sehen, ob sich das radioaktive Kontrastmittel gut im Gelenk verteilt hat.
Wichtig: Nach der Radiosynoviorthese müssen behandelte Gelenke für gut 48 Stunden unbedingt ruhig gestellt werden! Nach Behandlung von Gelenken im Bereich der Beine ist nur der Toilettengang erlaubt. Zur Ruhigstellung bringen Sie entweder eine Gipsschale/Gehstützen (von Ihrem Orthopäden) mit, oder Sie bekommen von uns eine Schiene angepaßt. Werden Knie-, Sprung- oder Zehengelenke behandelt, werden Sie anschließend mit einem Rollstuhl zum Auto, zum Taxi oder Krankenwagen gebracht. Nach einer Radiosynoviorthese sollten Sie nicht selbst das Auto steuern, da sonst die erforderliche Ruhigstellung nicht gewährleistet ist.
Eine weitere Woche lang sollte das Gelenk noch etwas geschont werden.

Gibt es mögliche Nachteile der Radiosynoviorthese?

  • Wichtig ist, daß die radioaktive Substanz absolut sicher in die Gelenkhöhle injiziert wird, damit gesundes Gewebe nicht geschädigt wird. Daher wird unmittelbar vor der Injektion der radioaktiven Substanz (mit einigen Ausnahmen) eine Durchleuchtung mit röntgendichtem Kontrastmittel durchgeführt:
    a) zur Beurteilung der korrekten Position der Nadel im Gelenk
    b) zur Beurteilung der Beschaffenheit und Ausdehnung der Gelenkhöhle.
  • Jede Wirkung kann prinzipiell mit Nebenwirkungen verbunden sein. In wenigen Prozenten der Fälle kann es z.B. in den ersten Tagen zu einer sog. Strahlensynovialitis kommen, die sich in einem Reizerguß äußern kann. Dann ist z.B. das Kniegelenk etwas geschwollen (mitunter sogar mehr als vorher) und manchmal überwärmt. Es kann sich ein Kribbeln oder Stechen im Gelenk einstellen. Mit kalten Umschlägen oder Eismanschette ist diese vorübergehende Erscheinung in der Regel zu lindern. Auch die absolute Ruhigstellung des behandelten Gelenkes hilft, den Reizerguß zu vermeiden.
  • Im übrigen treffen für die Radiosynoviorthese die gleichen Nebenwirkungen wie für sonstige Gelenkpunktionen zu. (z.B.lokale Entzündungen)

Wie ist die Strahlenbelastung?
Die Strahlenbelastung beschränkt sich nahezu ausschließlich auf die kranke Gelenkschleimhaut, die ja erklärtermaßen Zielobjekt ist. Aus einer schmerzhaft entzündlich verdickten Schleimhaut soll eine eher schwartenartige, unempfindlichere Schleimhaut werden.
Das angrenzende Gewebe wird kaum betroffen. Wegen der sehr kurzen Reichweite der Strahlung und und der Tatsache, daß die Substanzen in der Gelenkhöhle verbleiben und nicht über das Blut abtransportiert oder im Urin ausgeschieden werden, werden gelenkferne Körpergegenden überhaupt nicht erreicht. Das ist auch der Grund, weshalb diese Behandlung ambulant und im Anschluß daran ohne jegliche Stahlenschutzmaßnahme für den Patienten oder seine Umgebung durchgeführt werden kann.

Was sind die Vorteile der Radiosynoviorthese?
Abgesehen von der etwas zeitaufwendigen, aber notwendigen Voruntersuchung ist die eigentliche Therapie ein relativ kleiner Eingriff. Eine Rehabilitation wie nach einer Operation ist nicht notwendig. Die Therapie ist auch bei Patienten mit sehr hohem Operationsrisiko möglich. Mehrere Gelenke können gleichzeitig oder in kürzeren Zeitabständen behandelt werden. Bei nicht ausreichender Wirksamkeit kann die Therapie ohne weiteres wiederholt werden. Dies kann vorkommen bei schon weit fortgeschrittenen krankhaften Veränderungen. Gewöhnlich reicht eine einmalige Behandlung eines Gelenks.

Nach der Radiosynoviorthese
Das behandelte Gelenk (bzw. die Gelenke ), werden von uns ruhiggestellt (z.B. mit einer Schiene, Gipsschale oder einem Armtuch), damit Sie besser in die Lage versetzt werden , das Gelenk absolut ruhig zuhalten. Diese strenge Schonphase, in der z.B. nach Behandlung im Bereich der Beine/Füße nur der Toilettengang erlaubt ist, gilt bis Sonntagabend. Dann können Sie die Fixierung endgültig entfernen. Sollten Sie das Gefühl haben, daß die Schiene bzw. Gipsschale zu fest oder auch zu locker angewickelt ist, können sie die Fixierung nach Ihrer subjektiven Verträglichkeit gerne korrigieren.
Zwischenzeitlich können sich gelegentlich Nebenwirkungen einstellen wie Kribbeln oder Stechen, mitunter auch ein Reizerguß: Dann kann das Gelenk geschwollen und etwas überwärmt sein. Mit kalten Umschlägen oder einer Eismanschette ist diese vorübergehende Erscheinung in der Regel zu lindern. Sollte Kühlung mit Eis notwendig sein, ist es manchmal auch vorteilhaft nicht durch den Verband hindurch das Gelenk zu kühlen.
In der folgenden Woche sollten Sie das behandelte Gelenk noch etwas schonen.
Zum Wirkungseintritt:
Viele Patienten geben einen günstigen Effekt (Schmerzbeseitigung bzw. Ergußrückbildung) schon nach wenigen Tagen an. Der Effekt kann sich durchaus wellenförmig einstellen. Der definitive Therapieerfolg ist jedoch erst nach Ablauf von frühestens 6 Monaten sicher zu bewerten.
Melden Sie sich bitte am Dienstag ab 10 Uhr der folgenden Woche, um über Ihr Befinden nach der Therapie kurz zu berichten.


Termin
Wir bitten zu dieser Untersuchung mit uns einen Termin zu vereinbaren.



Pfeil    Pfeil
zur Übersicht    Seitenanfang

[startseite] [röntgen] [computertomographie] [mammographie] [osteodensitometrie] [nuklearmedizin] [gelenktherapie
[MRT] [schmerztherapie] [ultraschall] [standort] [kontakt]




© Röntgen-Nuklearmedizinische Gemeinschaftspraxis